Boden und pH-Wert: drei Messungen, die meine Gartenplanung umgeworfen haben
Zwei Jahre lang habe ich Hortensien gepflanzt, gedüngt, gepflegt – und mich gewundert, warum sie im dritten Jahr immer noch gelbliche Blätter hatten und kaum blühten. Dann habe ich für elf Euro ein pH-Testkit gekauft und in fünf Minuten verstanden, dass ich die ganze Zeit das falsche Problem behandelt hatte. Mein Boden liegt bei pH 7,4. Für Hortensien ist das ungefähr so passend wie Salzwasser für einen Kaktus.
Warum der pH-Wert wichtiger ist als der Dünger
Der Zusammenhang, den ich vorher nicht kannte: Der pH-Wert entscheidet nicht darüber, ob Nährstoffe im Boden sind, sondern ob die Pflanze sie aufnehmen kann. Eisen zum Beispiel ist in meinem Lehmboden reichlich vorhanden. Nur liegt es bei pH 7,4 in einer Form vor, die Wurzeln nicht verwerten können. Die Pflanze verhungert am gedeckten Tisch.
Das erklärt eine Sache, die mich lange irritiert hat: Ich habe gedüngt, es passierte nichts, ich habe mehr gedüngt, es passierte immer noch nichts. Der Dünger war nicht das Problem. Er wurde nur nicht aufgeschlossen.
Grob gilt: Zwischen pH 6,0 und 7,0 ist die Verfügbarkeit der meisten Nährstoffe am besten. Darunter wird Phosphor knapp und Aluminium kann problematisch werden, darüber blockieren Eisen, Mangan und Zink. Die meisten Gartenpflanzen fühlen sich bei 6,0 bis 6,8 wohl.
Messen: was funktioniert und was nicht
Ich habe drei Methoden ausprobiert, und die Ergebnisse gingen deutlich auseinander.
Die Stäbchen-Sonde für 9 Euro
So ein Metallstab, den man in die Erde steckt, mit einer Skala und ohne Batterie. Ich habe ihn an derselben Stelle fünfmal eingesteckt und Werte zwischen 6,2 und 7,1 abgelesen. Danach habe ich ihn in ein Glas mit destilliertem Wasser gehalten, wo er 7,0 hätte zeigen müssen – er zeigte 6,4. Diese Dinger messen im Wesentlichen die Bodenfeuchte und die Leitfähigkeit, nicht den pH-Wert. Ich habe meinen weggeworfen.
Das Farbtest-Kit für 11 Euro
Bodenprobe in ein Röhrchen, destilliertes Wasser dazu, Pulver aus dem Beutelchen, schütteln, warten, Farbe mit der Karte vergleichen. Das ist die Methode, die ich benutze. Sie liefert Schritte von etwa 0,5 pH-Einheiten – genug, um zu wissen, ob man bei 5,5 oder 7,5 steht.
Wichtig ist destilliertes Wasser. Ich habe den Test einmal mit Leitungswasser gemacht, das bei uns ziemlich kalkhaltig ist, und lag um fast eine ganze Einheit zu hoch. Eine Flasche destilliertes Wasser aus dem Baumarkt kostet unter zwei Euro und reicht für zwanzig Tests.
Die Laboranalyse für 32 Euro
Einmal habe ich eine Probe eingeschickt. Zurück kamen der pH-Wert auf zwei Nachkommastellen, dazu Phosphor, Kalium, Magnesium und der Humusgehalt, jeweils mit Einordnung in Versorgungsstufen. Das war die nützlichste Information, die ich je über meinen Garten bekommen habe – unter anderem, weil dort stand, dass mein Kaliumgehalt bereits in der höchsten Stufe lag. Ich hatte in den zwei Jahren davor Volldünger gestreut und damit Kalium zugeführt, das der Boden längst im Überfluss hatte.
Für eine Fläche, die man dauerhaft nutzt, ist das gut angelegtes Geld. Ich mache das jetzt alle drei bis vier Jahre.
Die Probe richtig ziehen – daran wäre ich fast gescheitert
Mein erster Test ergab pH 6,4, der zweite drei Meter weiter 7,6. Ich dachte an einen defekten Test. Tatsächlich hatte ich einmal direkt neben dem Kompost gestochen und einmal an einer Stelle, wo beim Hausbau Mörtelreste im Boden gelandet waren.
Was seitdem mein Vorgehen ist:
- Mischprobe statt Einzelprobe: An acht bis zehn über die Fläche verteilten Stellen jeweils etwas Erde entnehmen, in einem Eimer gründlich mischen, daraus die Probe nehmen.
- Richtige Tiefe: Die obersten fünf Zentimeter abtragen, dann aus fünf bis 20 Zentimetern Tiefe entnehmen. Die Oberfläche mit Mulch- und Blattresten verfälscht das Bild.
- Bereiche trennen: Rasen, Gemüsebeet und Staudenrabatte getrennt beproben. Bei mir liegen zwischen Rasen und Gemüsebeet 0,6 pH-Einheiten Unterschied, weil ich dort jahrelang Kompost eingearbeitet habe.
- Abstand halten: Nicht direkt an Wegen, Mauern oder Fundamenten. Beton laugt Kalk aus, das zieht den Wert nach oben.
- Zeitpunkt: Nicht direkt nach dem Düngen oder Kalken. Ich messe im Frühjahr vor der ersten Maßnahme.
Verändern: langsam und in eine Richtung leichter als in die andere
Den pH-Wert anzuheben ist einfach. Kohlensaurer Kalk, ausgebracht im Herbst oder zeitigen Frühjahr, und es tut sich etwas – wobei "etwas" über eine Saison passiert, nicht über zwei Wochen.
Absenken ist die schwierige Richtung, besonders auf kalkhaltigem Boden wie meinem. Der Kalk puffert; man kämpft gegen ein Reservoir an. Ich habe es in einem abgegrenzten Beet mit Rindenkompost, Nadelstreu und saurem Rhododendrondünger versucht. Nach einer Saison war ich von 7,4 auf 6,9 gekommen. Nach der zweiten lag ich wieder bei 7,2, weil das kalkhaltige Gießwasser die Sache stetig zurückdreht.
Meine Konsequenz war unspektakulär, aber ehrlich: Ich habe aufgehört, gegen den Boden zu arbeiten. Die Hortensien stehen jetzt in zwei großen Kübeln mit Rhododendronerde, wo ich den pH-Wert kontrollieren kann, und ins Beet sind Pflanzen gezogen, die Kalk mögen – Lavendel, Salbei, Bartblume. Die wachsen ohne jede Zusatzmaßnahme besser als die Hortensien je gewachsen sind.
Was der pH-Wert nicht verrät
Bei aller Begeisterung: Der pH-Wert ist eine Zahl unter mehreren, und ich habe ihm eine Zeit lang zu viel zugetraut. Er sagt nichts über die Bodenstruktur, nichts über Verdichtungen, nichts über den Humusgehalt und nichts über die Wasserführung. Meine Rasenprobleme im ersten Jahr hatten einen pH-Wert von 6,8 – völlig in Ordnung. Das Problem war eine betonharte Schicht in 15 Zentimetern Tiefe.
Die Fingerprobe gehört deshalb dazu. Feuchte Erde zwischen den Fingern rollen: Lässt sich eine dünne Wurst formen, ist viel Ton dabei. Zerfällt sie sofort und fühlt sich rau an, ist es Sand. Bei mir lässt sich eine Wurst formen, die reißt, wenn man sie biegt – lehmiger Schluff. Das erklärt, warum meine Fläche nach starkem Regen zwei Tage lang matschig bleibt.
Mein Fazit
Elf Euro und fünf Minuten hätten mir zwei Jahre Hortensienfrust erspart. Das ist die eigentliche Lehre: Ich habe Zeit und Geld in Maßnahmen gesteckt, ohne den Ausgangszustand zu kennen. Das ist ungefähr so, als würde man ein Rezept nachkochen, ohne zu wissen, was schon im Topf ist.
Wer nur eine Sache im Garten misst, sollte den pH-Wert messen. Und wer den kennt, sollte die Pflanzen danach aussuchen, statt den Boden gegen die Pflanzen zu erziehen. Ich habe beide Wege probiert. Der zweite ist deutlich weniger anstrengend.
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