Plantarium DIYGarten-Notizen aus dem Rheinland

Das erste Jahr im eigenen Garten: was ich rückblickend gelassen hätte

Notiz von Jonas · Plantarium DIY · Rheinland

Als wir im Februar 2021 das Haus übernommen haben, lag hinter der Terrasse eine Fläche, die der Makler "pflegeleichter Garten" genannt hatte. Ich hatte fünfzehn Flaschengärten im Wohnzimmer und war überzeugt, das im Griff zu haben. Im November desselben Jahres hatte ich rund 900 Euro ausgegeben, drei Beete angelegt, zwei davon wieder aufgegeben, einen Rasen ruiniert und ungefähr sechzig Stunden Arbeit in Dinge gesteckt, die ich heute anders machen würde.

Der teuerste Fehler: sofort loslegen

Im März habe ich das erste Beet ausgehoben, und zwar dort, wo es vom Küchenfenster aus am besten aussah. Im Juli habe ich gemerkt, dass diese Stelle ab 14 Uhr im Schatten der Garage liegt. Die Sonnenstauden, die ich dort gepflanzt hatte, haben sich lang gemacht und kaum geblüht. Im Herbst habe ich alles umgesetzt.

Was ich hätte tun sollen: ein Jahr beobachten. Nicht den ganzen Garten stilllegen, aber die größeren Entscheidungen verschieben.

Was ich stattdessen erst im zweiten Jahr gemacht habe und heute jedem empfehle: einmal im Monat, jeweils am 15., um 9, 12, 15 und 18 Uhr mit dem Handy ein Foto vom Garten machen, immer von derselben Stelle. Nach zwölf Monaten hat man eine Sonnen- und Schattenkarte, die genauer ist als jede Schätzung. Bei mir kam dabei heraus, dass die Ecke, die ich für halbschattig hielt, im Juni sieben Stunden volle Sonne hat, weil die Sonne dann über die Garage hinwegzieht.

Zusätzlich zeigt so ein Jahr, wo nach Regen Wasser steht, wo der Frost am längsten liegt, und was aus dem Boden kommt, was man im Februar noch nicht sieht. Bei uns kamen im April rund 200 Narzissen hoch, von denen ich beim Umgraben im März schon einen guten Teil zerstört hatte.

Zu viel auf einmal

Ich habe im ersten Jahr drei Beete gleichzeitig angelegt, den Rasen nachgesät, eine Kräuterspirale gebaut und zwölf Kübel bepflanzt. Ab Juli konnte ich das nicht mehr pflegen, weil auch noch ein Beruf existierte.

Die Folge war absehbar: Zwei Beete sind verunkrautet, die Kräuterspirale ist im zweiten Jahr in sich zusammengefallen, weil ich sie ohne ordentliches Fundament gebaut hatte, und die Hälfte der Kübel ist im August vertrocknet.

Mein Ratschlag an mich selbst wäre gewesen: eine Fläche pro Jahr, dafür richtig. Wer im ersten Jahr nur den Rasen ordentlich hinbekommt und den Rest mit einer Gründüngung oder schlicht mit Rasenschnitt-Mulch abdeckt, hat mehr erreicht als ich mit meinem Rundumschlag.

Werkzeug: wo ich zu viel und wo ich zu wenig ausgegeben habe

Ich habe im ersten Frühjahr für rund 250 Euro Werkzeug gekauft, größtenteils als Set. Die Sets sind der Fehler – man bekommt sechs Teile, von denen man zwei benutzt.

Was sich bei mir tatsächlich bewährt hat:

  • Ein guter Spaten mit Trittkante: Der aus dem Set hat sich beim ersten Kontakt mit Bauschutt verbogen. Der Ersatz für 45 Euro hält seit fünf Jahren.
  • Eine Grabegabel: Für schweren Boden das nützlichere Werkzeug als der Spaten, weil sie lockert statt zu schneiden.
  • Eine scharfe Handschere: Ich habe zwei billige verschlissen, bevor ich eine für 40 Euro mit nachkaufbaren Ersatzteilen gekauft habe. Seither schleife ich sie zweimal im Jahr.
  • Schubkarre mit Luftreifen: Nicht die kleine Baumarktvariante mit Vollgummi. Bei drei Tonnen Splitt macht sich das bemerkbar.

Wo ich zu wenig ausgegeben habe: Messgeräte. Ein Bodenthermometer für 12 Euro, ein Regenmesser für neun und ein pH-Testkit für elf – zusammen 32 Euro – haben mir in Summe mehr gebracht als alles Werkzeug zusammen, weil sie mich davon abgehalten haben, zum falschen Zeitpunkt das Falsche zu tun.

Rasenmähen: der Punkt, an dem ich am meisten falsch gemacht habe

Ich habe den Rasen im ersten Jahr auf drei Zentimeter gemäht, weil das ordentlich aussieht, und zwar etwa alle zwei Wochen. Beides falsch.

Die Ein-Drittel-Regel ist die einzige Mährichtlinie, die ich für wirklich wichtig halte: Nie mehr als ein Drittel der Halmlänge auf einmal abnehmen. Wer von zehn auf drei Zentimeter geht, nimmt siebzig Prozent weg. Die Pflanze verliert einen Großteil ihrer Assimilationsfläche und muss die Reserven aus der Wurzel holen. Wiederholt man das alle zwei Wochen, schwächt man den Rasen systematisch – und genau die Lücken, die dabei entstehen, besetzt Klee und Moos.

Heute mähe ich im Frühjahr wöchentlich auf viereinhalb Zentimeter, im Hochsommer alle acht bis zehn Tage auf sechs. Der Rasen sieht dichter aus als in dem Jahr, in dem ich ihn kurz halten wollte.

Zur Technik: Ich habe zwei Jahre mit einem Akkumäher gearbeitet und seit 2023 einen Mähroboter, einen Gardena, der bei mir seine 200 Quadratmeter zuverlässig schafft. Meine Einschätzung nach drei Saisons ist gemischt. Die Rasenqualität ist besser geworden, weil täglich wenig geschnitten wird und der feine Schnitt als Dünger liegen bleibt. Dafür muss man einmal Kabel verlegen, im Herbst um Laub herum organisieren und bei Kanten immer noch nacharbeiten. Für kleine, verwinkelte Flächen mit vielen Beeten halte ich das ehrlich gesagt für übertrieben – da mäht man in zwölf Minuten von Hand.

Pflanzen kaufen: die Baumarkt-Falle

Im ersten Jahr habe ich fast alles im Baumarkt gekauft, weil es günstig war und ich sofort etwas dastehen haben wollte.

Was ich dabei gelernt habe: Die Pflanzen dort stehen oft unter Bedingungen, die sie nicht abhärten – warm, feucht, geschützt. Bei mir sind von zwölf im April gekauften Stauden bis zum Herbst fünf eingegangen. Aus einer Staudengärtnerei im Nachbarort habe ich im Herbst desselben Jahres zehn Pflanzen geholt, teurer pro Stück, aber alle zehn leben heute noch.

Der zweite Punkt ist die Pflanzzeit. Ich habe im April und Mai gepflanzt, weil das die Zeit ist, in der man Lust darauf hat. Für die meisten Stauden und Gehölze ist der Herbst deutlich besser: Der Boden ist warm, es regnet, und die Pflanze hat den ganzen Winter, um Wurzeln zu bilden, bevor im Juni der erste Stress kommt.

Was tatsächlich im ersten Jahr sinnvoll ist

Damit das hier nicht nur eine Fehlerliste wird – das würde ich heute im ersten Jahr tun:

  • Boden analysieren lassen. Rund 30 Euro, und man weiß, womit man es zu tun hat, statt drei Jahre zu raten.
  • Kompost aufsetzen. Kostet fast nichts, braucht Zeit, und wer im ersten Jahr anfängt, hat im zweiten das wichtigste Material umsonst.
  • Den Rasen ordentlich mähen und sonst in Ruhe lassen. Kein Vertikutieren, kein Unkrautvernichter, kein Aktionismus. Vieles reguliert sich, wenn man die Schnitthöhe erhöht.
  • Notizen führen. Ich habe im zweiten Jahr angefangen, in ein Heft zu schreiben, was ich wann gemacht habe und was daraus wurde. Das ist die Grundlage von allem, was ich heute weiß – Erinnerung allein ist unzuverlässig und beschönigt.
  • Eine Fläche komplett fertigstellen. Der psychologische Effekt ist nicht zu unterschätzen. Drei halbfertige Beete demotivieren, ein fertiges trägt durch den Sommer.

Mein Fazit

Ich habe im ersten Jahr fast nichts richtig gemacht, außer anzufangen. Das Wesentliche, das ich rückblickend anders angehen würde, kostet nichts: warten, beobachten, aufschreiben, und einen Bereich nach dem anderen.

Der Garten läuft in Jahren, nicht in Wochenenden. Das ist für jemanden, der aus der Zimmerpflanzenecke kommt, eine Umstellung – bei einem Flaschengarten sieht man innerhalb von Tagen, ob etwas stimmt. Draußen bekommt man die Antwort auf eine Frage vom März manchmal erst im August des Folgejahres. Wer das akzeptiert, spart sich einiges von dem Lehrgeld, das ich bezahlt habe.

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