Plantarium DIYGarten-Notizen aus dem Rheinland

Kompost: mein erster Haufen stank, der zweite funktionierte

Notiz von Jonas · Plantarium DIY · Rheinland

Nach vier Monaten habe ich meinen ersten Komposter geöffnet und war mir sicher, dass etwas kaputtgegangen sein musste. Drinnen war eine graubraune, schmierige Masse, die nach Silage und faulen Eiern roch. Die Nachbarn waren sehr höflich und haben nichts gesagt. Der Fehler war einfach zu beschreiben: Ich hatte monatelang ausschließlich Küchenabfälle und Rasenschnitt hineingeworfen, also nur nasses, stickstoffreiches Material. Kompost braucht das Gegenteil dazu, und zwar in erheblicher Menge.

Grün und Braun – das Verhältnis, um das sich alles dreht

Die Einteilung, die mir schließlich geholfen hat: Es gibt "grünes" Material, das feucht und stickstoffreich ist, und "braunes", das trocken und kohlenstoffreich ist.

  • Grün: Rasenschnitt, Küchenabfälle, Kaffeesatz, frisches Unkraut, Gemüsereste, verblühte Stauden.
  • Braun: Laub, Häckselgut, Stroh, Sägespäne von unbehandeltem Holz, zerrissene Pappe, Papierhandtücher, dünne Zweige.

Als Volumenverhältnis funktioniert bei mir etwa eins zu zwei, also auf einen Eimer Rasenschnitt zwei Eimer braunes Material. Das klingt nach viel Braun, und genau da liegt das Problem der meisten Haufen: Braunes Material fällt hauptsächlich im Herbst an, grünes von April bis September. Ohne Vorrat kippt das Verhältnis im Sommer zwangsläufig.

Meine Lösung ist unspektakulär: Ich sammle im Herbst Laub in vier großen Gittersäcken und stelle sie hinters Gartenhaus. Bei jeder Ladung Rasenschnitt kommt eine Portion Laub aus dem Sack dazu. Seit ich das mache, riecht der Kompost nach Waldboden statt nach Ärger.

Warum Rasenschnitt der schwierigste Rohstoff ist

Rasenschnitt ist das Material, das am meisten anfällt und am schlechtesten allein kompostiert. Er ist fein, nass und presst sich zusammen. Eine Schicht von zehn Zentimetern Rasenschnitt wird innerhalb weniger Tage zu einer luftdichten Matte, unter der keine Sauerstoffzufuhr mehr stattfindet.

Dann übernehmen anaerobe Bakterien, und deren Stoffwechselprodukte sind genau das, was ich damals gerochen habe. Der Prozess läuft weiter, nur eben falsch und ungefähr fünfmal langsamer.

Was funktioniert: Rasenschnitt entweder einen Tag antrocknen lassen, bevor er auf den Haufen kommt, oder ihn sofort mit reichlich Braunem mischen. Schichten von mehr als fünf Zentimetern reinem Schnitt vermeide ich. Ein Teil bleibt bei mir ohnehin als Mulch auf der Fläche liegen.

Feuchtigkeit: die Faustprobe

Ich habe eine Zeit lang gedacht, ein Komposthaufen brauche viel Wasser. Er braucht mittlere Feuchte, ungefähr wie ein ausgewrungener Schwamm.

Die Probe, die ich mache: eine Handvoll aus dem Inneren nehmen und fest zusammendrücken. Tropft Wasser heraus, ist es zu nass – dann braucht er Braunes und Umsetzen. Zerfällt die Masse sofort und staubt, ist es zu trocken. Richtig ist, wenn der Klumpen zusammenhält und höchstens ein, zwei Tropfen kommen.

Im Hochsommer 2024 war mein Haufen zweimal zu trocken, was ich lange nicht bemerkt habe, weil er von außen normal aussah. Innen war es staubtrocken, und die Zersetzung stand praktisch still. Zwei Gießkannen und einmal Umsetzen haben ihn wieder in Gang gebracht.

Temperatur: mit welchem Wert man arbeiten kann

Ich habe irgendwann angefangen, ein langes Kompostthermometer hineinzustecken – das Ding kostete 22 Euro und ist inzwischen mein liebstes Gartenspielzeug.

Bei meinem zweiten, richtig aufgesetzten Haufen sah die Kurve so aus: Tag zwei bei 42 Grad, Tag vier bei 61 Grad, dann eine Woche zwischen 55 und 62 Grad, danach langsam fallend. Nach dem Umsetzen am Tag 18 ging es noch einmal auf 54 Grad hoch, dann pendelte sich das Ganze bei Außentemperatur ein.

Das ist ein Heißkompost, und er hat einen praktischen Vorteil: Über 55 Grad sterben die meisten Unkrautsamen und viele Krankheitserreger ab. Bei meinem ersten Haufen habe ich nie über 30 Grad gemessen – und im nächsten Jahr Vogelmiere in jedem Beet gehabt, in das ich diesen Kompost eingearbeitet hatte.

Erreicht wird das nur mit ausreichend Volumen. Unter etwa einem Kubikmeter kühlt der Haufen zu schnell aus. Mein erster Komposter hatte 320 Liter, das reicht dafür nicht. Der zweite hat 800 Liter und steht als Doppelbox da, sodass ich zum Umsetzen einfach von links nach rechts schaufeln kann.

Was ich nicht mehr hineingebe

  • Wurzelunkräuter: Giersch und Quecke haben bei mir im lauwarmen Kompost fröhlich weitergelebt. Die kommen in die Biotonne oder werden in einem geschlossenen Eimer mit Wasser angesetzt, bis nichts mehr regenerationsfähig ist.
  • Gekochte Speisereste, Fleisch, Fett: Nicht wegen der Kompostierbarkeit, sondern wegen der Ratten. Ich hatte 2023 Besuch und will das nicht wiederholen.
  • Zitrusschalen in Mengen: Einzelne stören nicht, aber ich hatte eine Phase mit viel Orangensaft, und die Schalen lagen nach sechs Monaten noch fast unversehrt da.
  • Walnusslaub in großen Mengen: Die Blätter enthalten Stoffe, die das Wachstum hemmen. Ein Teil davon baut sich beim Kompostieren ab, aber ich verteile Walnusslaub lieber auf mehrere Jahre.
  • Asche aus dem Kamin: Habe ich zweimal gemacht und dann gelassen. Der pH-Wert meines Bodens liegt ohnehin bei 7,4, und Holzasche treibt ihn weiter nach oben.

Umsetzen: nervig, aber der größte Hebel

Umsetzen heißt: den ganzen Haufen einmal umschaufeln, sodass außen nach innen kommt. Es dauert bei meinem Volumen etwa 40 Minuten und ist die unbeliebteste Gartenarbeit, die ich kenne.

Der Effekt ist trotzdem beträchtlich. Mein Haufen von 2024, den ich zweimal umgesetzt habe, war nach etwa fünf Monaten siebfertig. Der von 2023, den ich in Ruhe gelassen hatte, brauchte über ein Jahr, und die Randbereiche waren immer noch grob.

Wer nicht umsetzen will, kann trotzdem kompostieren – es dauert eben. Das ist eine legitime Entscheidung, man sollte sich nur nicht wundern.

Woran ich reifen Kompost erkenne

Er riecht nach Waldboden, ist dunkelbraun bis fast schwarz, krümelig, und man erkennt außer vereinzelten Holzstückchen nichts mehr vom Ausgangsmaterial. Er ist außerdem deutlich kühler als die Umgebung nicht mehr – die Temperatur liegt bei Außentemperatur.

Ein Test, den ich einmal gemacht habe und der überraschend aussagekräftig war: Kresse in eine Schale mit dem Kompost säen, danebenn eine Schale mit gekaufter Anzuchterde. Keimt die Kresse im Kompost genauso gut, ist er reif. Bei unreifem Kompost bleibt sie zurück oder keimt gar nicht, weil noch Zersetzungsprozesse laufen, die Stickstoff binden. Mein Herbstkompost hat den Test im März bestanden, der aus dem gleichen Jahr im Januar nicht.

Mein Fazit

Kompost ist kein Abfallbehälter, sondern ein Rezept mit zwei Zutaten. Wer nur eine davon hat, bekommt keinen Kompost, sondern Silage – das habe ich vier Monate lang eindrucksvoll demonstriert.

Der wichtigste Handgriff ist der Laubsack im Herbst. Er kostet nichts, dauert eine Stunde, und er entscheidet darüber, ob der Haufen im Juli funktioniert. Alles andere – Thermometer, Umsetzen, Siebe – ist Optimierung. Das Grün-Braun-Verhältnis ist die Grundlage.

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