Plantarium DIYGarten-Notizen aus dem Rheinland

Rasen komplett neu anlegen: was ich beim zweiten Versuch anders gemacht habe

Notiz von Jonas · Plantarium DIY · Rheinland

Mein erster Versuch, eine Rasenfläche neu anzulegen, hat 180 Quadratmeter Fläche, drei Wochenenden Arbeit und ungefähr 140 Euro gekostet – und war nach acht Wochen ein Fleckenteppich aus kahlen Stellen und einzelnen kräftigen Grasbüscheln. Der zweite Versuch, ein Jahr später, funktionierte. Der Unterschied lag nicht am Saatgut. Er lag an drei Dingen, die ich beim ersten Mal für Nebensache gehalten hatte.

Der Fehler war der Zeitpunkt, nicht die Saat

Ich habe im Juli gesät. Das war der freie Zeitraum im Kalender, also wurde gesät. Dass Rasensamen bei Bodentemperaturen über etwa 25 Grad zwar keimen, die Keimlinge aber innerhalb weniger Stunden austrocknen können, wenn die Oberfläche abtrocknet, war mir nicht klar. Ich habe zweimal täglich gewässert und trotzdem verloren.

Beim zweiten Mal habe ich Anfang September angefangen. Der Boden war noch warm – ich habe 17 Grad in fünf Zentimetern Tiefe gemessen –, die Luft aber deutlich kühler, und es fiel regelmäßig Regen. Die Oberfläche blieb feucht, ohne dass ich dauernd mit dem Schlauch draußen stand. Nach zwölf Tagen stand das erste Grün. Beim Juli-Versuch hatte ich elf Tage gebraucht, aber eben nur auf einem Teil der Fläche.

Meine Meinung dazu ist inzwischen ziemlich klar: Wer nicht zwingend im Frühjahr säen muss, sollte es im Spätsommer tun. Ende August bis Mitte September ist im Rheinland das beste Fenster. Frühjahrssaat funktioniert auch, aber man konkurriert dann mit Unkrautsamen, die gleichzeitig loslegen und schneller sind.

Bodenvorbereitung: die Arbeit, die niemand sieht

Beim ersten Versuch habe ich die alte Fläche abgetragen, geharkt, gewalzt und gesät. Klingt richtig. Was ich nicht gemacht habe: nachschauen, wie der Boden darunter überhaupt aussieht.

Als ich das ein Jahr später mit dem Spaten geprüft habe, war die Sache offensichtlich. Unter zehn Zentimetern lockerer Erde saß eine verdichtete Schicht, hart wie eine Straße. Das Haus war 2019 gebaut worden, und die Baumaschinen hatten den Untergrund festgefahren. Wasser stand darauf, statt zu versickern. Die Wurzeln kamen nicht durch.

Beim zweiten Anlauf habe ich diese Schicht mit einer geliehenen Motorhacke aufgebrochen – zweimal in Kreuzrichtung, ungefähr 20 Zentimeter tief. Dazu kamen sechs Sack Sand, weil mein Boden lehmig ist, und drei Schubkarren gesiebter Kompost. Das waren zwei zusätzliche Arbeitstage. Sie haben mehr gebracht als alles andere.

Die Reihenfolge, die sich bewährt hat

  • Altbestand entfernen: Bei mir mit dem Spaten in Soden abgestochen. Ein geliehener Sodenschneider hätte 40 Euro gekostet und einen halben Tag gespart – beim nächsten Mal nehme ich ihn.
  • Untergrund lockern: Motorhacke oder Grabegabel, mindestens 15 Zentimeter tief. Das ist der Schritt, den ich beim ersten Mal übersprungen habe.
  • Verbessern: Sand bei Lehm, Kompost bei sandigem Boden. Ich habe pro Quadratmeter grob drei Liter Kompost eingearbeitet.
  • Planieren: Mit einer langen Latte abziehen. Kleine Mulden zeigen sich später gnadenlos beim Mähen.
  • Setzen lassen: Zwei Wochen liegen lassen, einmal wässern. Der Boden sackt, und man sieht, wo nachgefüllt werden muss. Ich hatte an einer Stelle eine vier Zentimeter tiefe Senke, die vorher unsichtbar war.
  • Säen und andrücken: Nicht eingraben. Rasensamen sind Lichtkeimer, sie wollen an die Oberfläche, nur leicht angedrückt.

Wie viel Saatgut wirklich draufgeht

Auf den Packungen stehen meist 20 bis 25 Gramm pro Quadratmeter. Ich habe beim zweiten Versuch abgewogen, mit der Küchenwaage, in Portionen für jeweils zehn Quadratmeter. Das klingt übertrieben pedantisch, ist aber der einzige Weg, gleichmäßig zu säen.

Ohne Abwiegen streut man in der Mitte der Fläche großzügig und wird zum Rand hin sparsam, weil die Tüte leerer wird. Genau so sah mein erster Rasen aus. Bei 180 Quadratmetern habe ich beim zweiten Mal 4,2 Kilogramm gebraucht – also gut 23 Gramm pro Quadratmeter. Ich habe die Fläche in gedachte Streifen aufgeteilt und jeden Streifen einmal längs und einmal quer besät, jeweils mit der halben Portion. Das gleicht Fehler aus.

Gießen in den ersten drei Wochen

Das ist die Phase, in der man den Rasen verlieren kann, und sie dauert kürzer, als man denkt.

Die Regel, die bei mir funktioniert hat: Die obersten zwei Zentimeter dürfen nicht abtrocknen, bis die Halme etwa drei Zentimeter hoch sind. Konkret hieß das im September zweimal täglich kurz – morgens gegen sieben, abends gegen sieben, jeweils vielleicht vier Minuten mit dem Viereckregner. Nicht durchdringend wässern, sondern die Oberfläche feucht halten. An zwei Regentagen habe ich gar nicht gegossen.

Ab der dritten Woche habe ich umgestellt: seltener, dafür deutlich mehr. Einmal alle zwei bis drei Tage, dann aber so lange, bis ein hingestellter Joghurtbecher etwa 1,5 Zentimeter Wasser gesammelt hatte. Das treibt die Wurzeln nach unten. Wer dauerhaft oberflächlich gießt, züchtet sich einen Rasen, der bei der ersten Trockenwoche im Juni kollabiert.

Der erste Schnitt

Ich habe zu lange gewartet. Als ich das erste Mal gemäht habe, standen die Halme bei zwölf Zentimetern und legten sich schon flach.

Richtig wäre gewesen, bei etwa acht bis neun Zentimetern auf sechs zu kürzen. Der erste Schnitt bringt den Rasen zum Verzweigen, aus einem Halm werden mehrere – das ist der Moment, in dem aus einzelnen Grashalmen eine Narbe wird. Wer zu lange wartet, verzögert das.

Wichtig: scharfe Messer. Junge Halme reißen sonst aus, weil die Wurzeln noch nicht genug halten. Ich habe die Klinge vorher nachgeschliffen und den Mäher auf die höchste Stufe gestellt. Beim Vorgängerversuch hatte ich mit stumpfem Messer gemäht und danach ausgerissene Grasbüschel im Fangkorb gefunden.

Was mich Geld gekostet hat, ohne zu nützen

Startdünger. Ich habe beim zweiten Versuch einen speziellen Rasenstarter für 22 Euro gekauft und ihn auf der halben Fläche ausgebracht, auf der anderen nicht – eher aus Neugier als aus Plan. Nach acht Wochen konnte ich keinen Unterschied erkennen. Kann sein, dass mein Boden durch den eingearbeiteten Kompost ohnehin genug Nährstoffe hatte. Bei ausgelaugtem Boden mag das anders aussehen. Ich weiß es schlicht nicht, mein Test war eine einzige Fläche in einem einzigen Jahr.

Ebenfalls überschätzt: die Rasenwalze. Ich habe eine geliehen, sie war schwer zu transportieren und hat auf meinem eher feuchten Lehmboden eher verdichtet als geglättet. Ein gründliches Abziehen mit der Latte und ein paar Tage Setzzeit haben denselben Zweck erfüllt.

Was ich beim dritten Mal machen würde

Vermutlich gibt es kein drittes Mal, aber falls doch: Ich würde vorher eine Bodenprobe untersuchen lassen. Das kostet um die 30 Euro und hätte mir beim ersten Versuch wahrscheinlich sofort gezeigt, dass mein Problem nicht der Nährstoffgehalt war, sondern die Struktur.

Ansonsten bleibe ich bei der Erkenntnis, die sich durchzieht: Der sichtbare Teil – säen, gießen, mähen – ist der einfache. Entschieden wird die Sache in den 20 Zentimetern darunter, und zwar bevor das erste Korn auf dem Boden liegt. Wer da spart, spart an der falschen Stelle und zahlt es ein Jahr später mit einem zweiten Anlauf.

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